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Die Kunst der Künste

55. Kunst-Biennale in Venedig eröffnet

Seit vergangenem Samstag lädt die 55. Biennale in Venedig zum Staunen und Flanieren ein. In 88 Länderpavillons zeigt die Lagunenstadt bis 24. November Werke von 158 verschiedenen Künstlern aus 37 Ländern. Erstmals mit dabei: Der Vatikan mit einer Videoinstallation.

Biennale Venedig

Leitung und Idee

Unter Federführung des 1973 geborenen, italienischen Kurators und Kunstkritikers Massimiliano Gioni ist eine vielseitige Kunstausstellung realisiert worden. Der Titel „Palazzo Encyclopedia“ verweist auf das gleichnamige Architekturmodell des 1980 verstorbenen Marino Auriti. Der italienische Autodidakt, welcher später nach Amerika auswanderte, konnte sein Projekt eines turmhohen, weitläufigen „Museums des Weltwissens“ zu Lebzeiten nie realisieren: Seine Idee überzeugte damals Geldgeber und Sponsoren nicht. Für das diesjährige Kunstereignis jedoch ist das vorgestellte Modell ein Sinnbild. Denn im Unterschied zu 2011 setzt die 55. Biennale andere Gewichtungen: Zeichnungen von Carl Gustav Jung und Rudolf Steiner richten den Fokus auf Autodidakten, die sich neben ihrem Beruf mit Möglichkeiten künstlerischer Ausdrucksformen auseinandersetzten. Das Nebeneinander von autodidaktischer Kunst zu Werken weltberühmter Künstler wie Ai Weiwei oder Cindy Sherman und aufstrebenden Jungtalenten bildet den Reiz dieser Biennale.

Einzelne Pavillons

Mit Valentin Carron, dem erst 35 Jahre alten Walliser, hat die Schweiz einen modernen Vertreter ausgewählt. Ihn beschäftigen Fragen der Identität und Adoleszenz: Dass der „Weg das Ziel ist“ symbolisiert seine 80 Meter lange, sich am Boden windende dünne Eisenschlange. Dagegen steht ein restauriertes Mofa der 1960er Jahre für Jugend und Geschwindigkeit. Geknetete, zertrümmerte Bronzeinstrumente wiederum stellen einen Bezug zur Punkbewegung und französischem Neorealismus her. Carron, als „poetischer Künstler“ bezeichnet, möchte keine feste Botschaft vermitteln und arbeitet daher auch mit unterschiedlichen Materialien. Dass Kunst mehr ist als Kommerz und Geldanlage, bringt der britische Pavillon scherzhaft auf den Punkt: Auf einem Gemälde des englischen Künstlers Jeremy Deller wird die Millionärsyacht des Kunstsammlers Roman Abramovitsch vom bärtigen Sozialisten William Morris (1834 – 1896) kraftvoll ins Meer geworfen. Eine Anspielung darauf, dass bei der Biennale 2011 zahlreiche Absperrungen und Sonderzugänge für Yachtbesitzer Unmut erzeugten?

Auszeichnungen

Die Französin Camille Henrot wurde mit einem silbernen und die Österreicherin Maria Lassnig mit einem goldenen Löwen geehrt. Der in Berlin lebende Deutsch-Brite Tino Sehgal, bekannt durch seine Installationen mit Museumsbesuchern, wurde als bester Künstler der Biennale ausgezeichnet.

Bildquelle: kurier.at

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