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Viele
Künstler kombinieren verschiedene druckgrafische Techniken. Das 20. Jahrhundert
zeichnet sich geradezu aus durch eine ausgeprägte Experimentierfreude.
Begonnen hat der unbeschwerte Umgang mit Technologien und die gegenseitige
Beeinflussung jedoch viel früher. Seit ihrer Erfindung übte beispielsweise
die Fotografie einen entscheidenden Einfluss auf die Malerei und die Druckgrafik
aus. So basierte das am Ende des 19. Jahrhunderts aufgekommene Cliché-verre
(Glasklischeedruck) auf dem fotochemischen Prozess der Bildentwicklung
auf lichtempfindlichem Papier. Die "Druckplatte" bestand aus einer Glasscheibe,
die mit einer Schicht von lichtundurchlässigem Silberweiss überzogenen
war, auf die der Künstler mit einer Nadel zeichnete. Die Nadel registrierte
wie ein Seismograph die kleinste Regung der Hand des Künstlers und übertraf
mit ihrem feinen Lineament die herkömmliche Zeichnung an Spontanität.
Sie erzeugte eine partielle Lichtdurchlässigkeit der Glasplatte, eine
Art Negativ, das schliesslich auf lichtempfindliches Papier kopiert wurde.
Das Cliché-verre ist der Radierung sehr ähnlich, doch weist sein Papier
eine fotochemisch bedingte Veränderung auf infolge der Ablagerungen von
Silberstoffen. Ebenso fehlt die für den Tiefdruck charakteristische Prägung
des Plattenrandes im Papier. Jean-Baptiste Camille Corot (1796-1875) realisierte
über 70 Sujets, meist Landschaftsdarstellungen, in dieser Technik. Diese
von seinem lyrischen Geist geprägten belichteten Skizzen hatten für die
Freilichtmalerei des Impressionismus' eine grosse Bedeutung.
Viele Künstlerinnen und Künstler von heute interessieren sich für alte und weniger bekannte druckgrafische Techniken. So wurde das Cliché-verre wieder entdeckt. Anselm Stalder realisierte 1999 eine Serie von 12 Blättern in dieser Technik. Aus dieser Serie werden 4 Motive, von denen jedes ein Unikat ist, in der Ausstellung gezeigt. |