Die Einschätzungen zum Stellenwert der Fotografie als künstlerischem Bildmedium waren von Beginn weg sehr unterschiedlich.

"Der Künstler ist wahr, und die Kamera lügt, weil die Fotografie eine mechanische Reproduktion ist, die in der Zeit eingefroren ist. Die Fotografie lügt, weil in Wirklichkeit die Zeit nicht stillsteht: und wenn es dem Künstler gelingt, den Eindruck einer mehrere Augenblicke lang sich abspielenden Gebärde hervorzubringen, so ist sein Bild echter als das wissenschaftliche Bild, worin die Zeit brüsk aufgehoben ist." (Auguste Rodin)
zit. nach: Paul Virilio, Die Sehmaschine, Berlin 1989, S. 13

"Nur mit Mühe kann man die Kamera zum Lügen zwingen. Im Grund ist sie ein ehrliches Medium. Deshalb ist es viel wahrscheinlicher, dass der Fotograf mit der Einstellung des Forschenden, an ihr Teilhabenden an die Natur herangeht statt mit der dreisten Grossspurigkeit des selbsternannten 'Künstler' ". (Edward Weston)
zit. nach: Susan Sontag, Über Fotografie, Frankfurt 1989, S. 176.

"Überlassen wir daher die Kunst den Künstlern und versuchen wir, mit den Mitteln der Fotografie Fotografien zu schaffen, die durch ihre fotografischen Qualitäten bestehen können - ohne dass wir von der Kunst borgen." (Albert Renger-Patzsch)
zit. nach: Wolfgang Kemp (Hg.), Theorie der Fotografie, Bd. 3, München 1980, S. 74.

"Ich fotografiere, was ich nicht malen möchte, und ich male, was ich nicht fotografieren kann." (Man Ray)
zit. nach: Susan Sontag, Über Fotografie, Frankfurt 1989, S. 176.


Jean-Marc Bustamente (*1952),
Tableau Nr. 56, 1982