Paul Cézanne, (1839-1906), Château de Marines,1888-1890, Öl auf Leinwand,
73 x 92 cm, Kunstmuseum Bern


"Bestrebt, den Gegenstand aus seiner Farbigkeit entstehen zu lassen, weist er dem Umriss sekundäre Bedeutung zu. Er versucht, die Randzone der Gebilde farbig zu intensivieren und zugleich mit dem benachbarten Farbfeld (...) abzustimmen, so dass keine Grenzlinien, keine "Furchen" zwischen den Gegenständen entstehen, sondern eine vibrierende Farbzone, in die sich die beiden Dingbereiche teilen. Diese Farbzonen dienen nicht nur dem Kontakt fester Körper, sie stellen auch die Verständigung zwischen einem Bergrücken und dem Himmel, einer Brücke und dem Wasser dar. Dieses Strukturprinzip sichert der Flächenordnung des Bildes die Kontinuität - sie untertreibt gleichsam das räumliche Hintereinander der Körper, ohne es völlig zu negieren -, und sie nimmt diesen Körpern das abgeschlossene Fürsichsein. Mit der Intensivierung des Gewebecharakters des Bildes nimmt die Einförmigkeit der handschriftlichen Sprachmittel zu. Ob Cézanne einen Baum malt, eine Wolke, ein Stück Stoff oder die Spiegelung einer Landschaft im Wasser - die Pinselschrift geht nicht auf die Stofflichkeit dieser verschiedenen Gegenstände ein, sie ruft für alle ein und dieselbe Flächentextur hervor."(Werner Hofmann, Grundlagen der modernen Kunst, Stuttgart 1978, S. 286f.)