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| Eigentlich
ist Franz Gertsch als Maler bekannt geworden. 1969 beginnt er nach der Projektion
fotografischer Vorlagen zu malen. In einer langen Reihe von Gruppen- und
Einzelporträts hat er über Jahre hin seine malerische Umsetzung von Fotografien
verfeinert, entwickelt. 1986 wendet er sich vorübergehend dem Holzschnitt
zu (s. Druckgrafik),
um 1993 wieder zur Malerei zurückzukehren. "Patti Smith II" (1978) erscheint aus Distanz wie eine überdimensionale Fotografie. Bei näherem Hinsehen jedoch zeigt sich am Original die Struktur der Leinwand und das Raster aus vielen einzelnen kleinen Strichen und Punkten, das der Maler in einer präzisen Arbeit während Wochen und Monaten mit dem Pinsel aufgetragen hat. Die Malerei nach Fotografie geht offensichtlich über die reine Darstellung des Motivs hinaus. Wer sich lediglich eine Abbildung der Musikerin und Lyrikerin Patti Smith wünscht, wird es für absurd halten, sich während so langer Zeit mit jedem einzelnen Bildpunkt zu beschäftigen. Genau darin liegt jedoch die Intensität und die Freiheit der Malerei von Franz Gertsch: Die malerische Umsetzung eines Schnappschusses - aufgenommen bei einer Lesung, dann bewusst aus der Serie von Aufnahmen ausgewählt - verändert den Status der Darstellung grundlegend. Während die Fotografie mechanisch unbegrenzt reproduziert werden kann, ist das von Gertsch gemalte Bild durch Einmaligkeit ausgezeichnet. Es besteht unverändert über lange Zeit und trägt die lange Dauer des Malprozesses in sich. Es ist an einem einzigen Ort statisch mit einzelnen, ruhenden, reinen Betrachterinnen und Betrachtern konfrontiert. |
![]() Franz Gertsch(*1930), Patti Smith II, 1978 |