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Die Kunst der Künste

Eine Auguste-Herbin-Retrospektive im Musée Matisse

Die Kunst stammt aus dem Leben, sie ist wechselhaft, sie ist dynamisch, sie verändert und bewegt sich. Die Sanduhr der Zeit läuft dabei so stetig und gewiss, dass so mancher künstlerische Genie den Ruhm seiner Kunst nur wie Sand in seinen Händen zu spüren wusste. Einer dieser Genies war mit Bestimmtheit der französische Maler Auguste Herbin, dessen Name in den Ohren klingen müsste wie Malewitsch oder Mondrian, jedoch lediglich den Kennern der Malerei der Moderne bekannt sein wird.

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Aus dem Schatten getreten

Eine Retrospektive des Musée Matisse in Le Cateau-Cambrésis würdigt Herbin nun mit einer eindrucksvollen Ausstellung, welche beabsichtigt, dem exzellenten Maler Gerechtigkeit zuzuführen. Zu Lebzeiten schien Auguste Herbin stets dem Zeitgeist entgegen zu denken, denn seine verkannte Größe ist viel eher auf seine Bescheidenheit und Stille zurückzuführen als auf eine künstlerische Mittelmäßigkeit. Mit der Widmung dieser einmaligen Ausstellung, welche das gesamte künstlerische Schaffen Herbins umfasst, lüftet das Musée Matisse letztlich einen schweren Schatten, der stets über dem Künstler stand: sein Meister Henri Matisse.

In den Olymp blickend

Auguste Herbins Werke zeigen sichtlich Einflüsse des einstigen Mitbegründers des Fauvismus, in seiner Pinselführung lassen sich jedoch in gleichem Maße die Impulse von van Gogh oder Cézanne erkennen. Eine einzigartige Komposition, welche es unmöglich macht, den Maler in eine eng-gefasste Kategorie lenken zu wollen. Bereits im Jahre 1906/1907, im Alter von 24 Jahren, hielt der aufstrebende junge Herbin die Zeit fest und lässt die Besucher seiner Exposition nun in ein meisterhaftes Selbstportrait blicken. Ein Bildnis, mit dem der exzellente Kolorist, eigentlich vom Olymp der klassischen Moderne herab schimmern müsste, hätte es die Zeit und das Glück dem Maler gegönnt. Dominique Szymusiak, die Kuratorin der Ausstellung, schaut zurück auf eine langjährige Tätigkeit für das Musée Matisse sowie auf die verkannten Momente der Kunstgeschichte. Es ist ihre letzte Ausstellung, die sie demnach gänzlich der Retrospektive und der Wertschätzung verlorener Momente widmen möchte. Mit der Wahl Auguste Herbins hat sie einen würdigen Künstler gefunden.

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