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Die Kunst der Künste

In der Kunst sinkt der Goldpreis

Das Wort Schmuck trägt eine gewisse sprachliche Kluft in sich. Denkt man bei dem zugehörigen Nomen an Gold, Silber, Edelsteine und schwere Klunker, verwenden wir das Adjektiv schmuck liebend gern für das Niedliche und das Kreative. Eine Ausstellung im Londoner Design-Museum widmet sich nun dem Bau einer Brücke und der Frage: Ist das Schmuck?

Kunst

Werte schaffen oder Werte polieren?

Die Objekte der Betrachtung sind in diesem Zusammenhang Accessoires des Kunsthandwerkes, welche die Intention verfolgen, die Dominanz schwerer Materialen zu schmelzen, welche noch immer unser Verständnis von Schmuck prägen. Demnach sind es die Glieder von Plastikfiguren, Teile von Flaschenkorken und Überreste alter Treibhölzer, die sich in einer kunstvollen Komposition zu Ketten, Ringen und Colliers zusammenfinden. Der britische Designer Adam Paxon bekennt sich in der Ausstellung deutlich zu seiner Vorliebe für Plastik, welche dem eigentlichen Kunstgedanken sehr viel besser entspricht, als es Gold oder Silber vermögen zu tun. Nach Ansicht des Designers ist Kunst, als das Schaffen von ästhetischen Werten, idealerweise aus einem wertneutralen Stoff wie Plastik zu kreieren.

Ein Ausdruck des Wandels

Die Ausstellung ist demnach tiefgreifender und kontroverser in ihrer Intention. Die zur Schau gestellten Objekte sollen nicht nur Augen und Gemüter erleuchten, sondern darüber hinaus auch die klassische Bedeutung von Schmuck in Frage stellen. Die klassische Wahrnehmung beantwortet die Frage häufig mit der Darstellung von sozialem Status und als Vermächtnis an die Erben. Die Kunstwerke, die im Londoner Design Museum zur Schau stehen, tragen kein revolutionäres Anliegen, sondern erkennen vielmehr den gesellschaftlichen Wandel dieser Wahrnehmung, da Schmuck mehr und mehr als Projektionsfläche für Gefühlslagen und sentimentale Erinnerungen verstanden wird.

Impulse und ihre Erzeuger

Die eigentliche Kontroverse und somit der Ausgangspunkt der derzeitigen Ausstellungen geht dabei zurück in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Das Contemporary Jewellery Movement propagierte damals diesen nun eingetretenen Wandel. Dementsprechend zeigt das Londoner Design Museum zahlreiche Werke der Begründer und Impulsgeber dieser kulturellen Bewegung. Der US-amerikanische Bildhauer Alexander Calder ist mit einem Metallcollier vertreten, wobei der französische Modeschöpfer Pierre Cardin durch einen weissen Plastic-Choker Repräsentanz findet und die deutsche Textilkünstlerin Anni Albers die Exposition mit einer Kette bereichert. Letztere zeichnet sich nicht nur durch ihre künstlerische Befähigung aus, sondern ebenfalls durch die Kreativität bei der Auswahl ihrer Materialien: eine Kugelkette, ein Abfluss-Sieb und ein Bündel Büroklammern.

Bildquelle: Nzz.ch

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